supersuse Alltagsgeschichten

Supersuse und die Liebe zum Buch: All you need is …

Supersuse in der Hängematte

Über die Liebe schreiben können andere besser. Gerade habe ich „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells verschlungen. Bin mit ihm abgetaucht in eine zarte Liebesbeziehung, war berührt von dem Auf und Ab der Gefühle, traurig und dann wieder voller Hoffnung. Ein bisschen kitschig zwischendurch, ihr merkt es schon. Aber Kitsch darf sein.

Allein der Geruch von Büchern macht mich süchtig

Also lieber lesen statt schreiben. Bücher sind mein Ein und Alles. Immer schon. Mein Vater hat mich früh in die Bücherhalle geschleppt. Keine Ahnung, wie Hamburg auf diese Bezeichnung für ihre Stadtteilbibliotheken gekommen ist, eine Halle war das nun wirklich nicht. Dort verschwanden wir zwischen den Regalen und tauchten Stunden später mit einem Stapel Bücher wieder auf. Allein der Geruch machte süchtig.

Britische Forscher fanden übrigens heraus, dass alte Bücher nach frisch geschnittenem Gras riechen. Muffig, sagt mein Sohn, aber genau richtig muffig, und steckt seine Nase in sein Ferienbuch. Nach Tinte und Papier, sagt der beste aller Ehemänner und klappt sein Notebook auf.

Aber zurück zur Bücherhalle: In der 8. Klasse mussten wir ein Praktikum machen, ich bin im Reisebüro gelandet. Drei Wochen Langeweile, Rechnungen sortieren, Kataloge in Regale räumen. Meine beste Freundin hingegen war in der Bücherhalle! Ja, genau, in der Bücherhalle. Und langweilte sich dort, Bücher fand sie nicht so spannend. Irgendetwas lief da schief.

Das Nichts im Buch

Später dann wollte ich Literatur studieren, einfach wegen der Bücher. Gleich am ersten Seminartag ging es zur Sache: Wir sollten die Leerstellen im „Blonden Eckbert“ analysieren. Der Blonde Eckbert, so lernte ich, ist so eine Art Sage aus der Frühromantik, in der es richtig zur Sache geht: Mord, Totschlag, Inzest … Aber darum musste ich mich nicht kümmern, ich sollte ja die Leerstellen analysieren. Also sozusagen das Nichts im Buch. Die braven Deutsch-Leistungskurs-Mädels und Jungs waren begeistert.

Ich wechselte das Studienfach. Als wissenschaftliche Hilfskraft durfte ich in einer Fachbibliothek aushelfen. Dieser Geruch – einfach wunderbar. Ich kam mir furchtbar wichtig vor als Bibliothekarin. Und dann der Ferienjob bei einem Buchgrossisten: Ich sollte Bücher mit Bestellzetteln abgleichen, in Kisten packen und ab damit aufs Fließband, möglichst viele, möglichst schnell und natürlich fehlerfrei. Nach ein paar Spätschichten träumte ich von Bücherkisten, die mich unter sich begruben. Ich war einfach weg. Und plötzlich wach.

Aber auch diese Phase war irgendwann vorbei, kein Buch hat mich erschlagen. Es gab gute Bücher und weniger gute Bücher. Und welche, die mit bleibenden Erinnerungen verbunden sind. „Die Entdeckung des Himmels“ von Harry Mulisch zum Beispiel – das Buch, das meine Freundin am Fährhafen las, während wir auf die verpasste Fähre nach Schiermonnikoog warteten. Und mich nicht beachtete. Später wurde es auch mein Lieblingsbuch. Und die vielen Bücher, die mein Mann und ich uns auf der Fahrt zu seiner Mutter im Auto vorgelesen haben. Manchmal mussten wir noch eine Zeitlang auf dem Parkplatz stehen bleiben, weil das Kapitel noch nicht zu Ende war.

Es begann mit eselsohrigen Pixibüchern

Und dann die Kinderbücher. Anschauen, vorlesen, später dann: diskutieren, weiterspinnen, selber Geschichten erfinden … Es begann mit eselsohrigen Pixibüchern und endete mit Harry Potter. Während sich mein Sohn schon sehr früh als Leseratte entpuppte, kam meine Tochter erst später in (Lese-)Schwung. Ganz plötzlich standen sehr viele Bücher auf der Wunschliste. Das Highlight unserer Mutter-Tochter-Ausflüge war der Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Dort traf sie web-berühmte Bookstagrammer, während ich Juli Zeh lauschte. Bookstagrammer, ihr ahnt es, sind Literaturfans, die ihre Lieblingsbücher bei Instagram oder YouTube präsentieren. So eine Art Social Media-Literaturclub.

Klar, dass beide ihren ersten Zukunftstag in der örtlichen Buchhandlung verbracht haben. Klar auch, dass ich die Kinder, kaum dass sie krabbeln konnten in den Bücherbus (für Nicht-Bremer:innen: Das ist sowas wie die Bücherhalle auf Rädern, eigentlich: Busbibliothek) geschleppt habe. Und natürlich erkennt Frau Hüchting vom Findorffer Bücherfenster die beiden schon von Weitem. Neulich hat mein Sohn einen Berufswunsch geäußert: Er träumt von einer Buchhandlung mit Café. Ich sehe mich schon als Rentnerin in einem buchduftenden Eckchen Bestellungen sortieren – ganz ohne Albträume!

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