Supersuse macht Pause

Es begann vor über fünf Jahren auf dem Fußboden. Ich lag in meinem Arbeitszimmer auf der Yogamatte und versuchte mich zu entspannen. Bloß nicht auf die Geräusche in den Nachbarzimmern hören. Zum Beispiel Kinder, die über Smartphone-Lautsprecher lauthals mit ihren Freund:innen diskutierten, das energisch-ungeduldiges Türklingeln (Postbote?), Fragmente von Videokonferenzen. Immer schön atmen und der weltbesten Yogalehrerin ever lauschen. Das geht mich alles nichts an. Ich bin im Hier und Jetzt. Ommmmm.

Vor fünf Jahren herrschte Ausnahmezustand in der Welt und auch in unserem Mikrokosmos. Vier Menschen (Familie!), von denen normalerweise drei halbtags und länger in Schule und Büro unterwegs waren, hockten plötzlich von morgens bis abends zuhause. Das war schon besonders. Während ich also so herumlag und mich nicht konzentrieren konnte, kam mir die überaus geniale und – wie ich fand – einzigartige Idee: Ich schreibe über Corona. Über den Alltag mit Homeoffice, Maskennäherei, Zoomsessions mit Gott und der Welt. Ich schmiss die Yogamatte in die Ecke und legte los. Komisch, dass auch andere auf die Idee kamen, sich Corona-Geschichten auszudenken. Manche waren sogar ziemlich skurril. Wenn man jetzt mal recherchiert, was damals so publiziert wurde, findet man zum Beispiel Netflix-Serien, in denen Ärzte plötzlich zu Geheimagenten werden, um ein Allheilmittel gegen tödliche Viren zu finden. Es erschienen Kinderbücher mit hübschen Titeln wie „Wo ist das Klopapier“ oder es gab Berichte über Lamas in Zoom-Meetings. Sehr lustig.

Ich gebe zu, Lamas tauchten bei mir nicht auf, das mit dem Klopapier hatten wir im Griff und was mit den Ärzten los war weiß ich nicht, denn wir haben ja das Haus nicht verlassen. Immerhin fragte irgendwann buten un binnen an, ob sie über uns berichten dürften. Ja, auch die hatten Coronageschichten entdeckt, die Fernsehzuschauer:innen mussten schließlich bei Laune gehalten werden. So bekamen wir vier den Auftrag, unseren Alltag mit der Videokamera zu dokumentieren. Am Anfang fanden die Kinder die Idee super. Kurz vorher wollte keiner mehr filmen oder gar gefilmt werden, aber Mist, wir hatten zugesagt und mussten da also durch. Kind 1 beim Onlinelernen, Eltern beim Onlinearbeiten, Kind 2 im Onlinegespräch mit dem Freund. Wir filmten sogar unser Mittagessen. Nudeln mit Soße. Klingt wahnsinnig spannend, oder? Es bisschen peinlich war es schon, als Freunde und Bekannte während der Sendung anriefen und hysterisch ins Telefon brüllten, dass wir gerade im Fernsehen seien. Ja, das wissen wir. Wir waren dabei.

Irgendwann war das eh vorbei mit dem Corona-Gedöns und mit dem Film haben wir eine schöne Erinnerung an dieses Zeit. Peinlich, findet der Sohn. Oh Gott, wie sagen wir da denn aus, findet die Tochter. Im Netz ist der Film nicht mehr zu finden, also alles nicht so schlimm. Ich habe trotzdem weiter geschrieben. Meine Geschichten handelten von dem ganz normalen Alltagswahnsinn. Familie mit zwei Kindern, irgendetwas passiert immer, in der Vergangenheit und ganz aktuell. Fliegendes Baby, mopspipifreie Gärten oder eben Corona-Yoga-Geschichten. Das Leben halt.

Das ist ziemlich genau fünf Jahre her – und ich mache jetzt mal eine Pause.

Der Grund? Immer, wenn´s am schönsten ist … Genau genommen gibt es viele Gründe: Kind 1 ist ausgezogen, Kind 2 denkt über seine Zukunft nach. Und ehrlich gesagt, brauche auch ich mal eine Pause – vom Schreiben, vom Erzählen, vom Immer-Online-Sein. Mal sehen, wie lange das gut geht. Ommmm.

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